Onanie - Masturbation - Selbstbefriedigung

Märchen und Fakten zur Selbstbefriedigung

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, mit welcher Verbitterung und Hysterie noch vor hundert Jahren das Onanieren wahrgenommen und gesellschaftlich geächtet wurde, natürlich von vielen Theologen, aber auch von Ärzten und Wissenschaftlern. Wegbereitend dafür war ein Buch des Franzosen Tissot aus dem Jahre 1774: "Onanie: Dissertation über die von der Selbstbefriedigung hervorgerufenen Krankheiten". Rückenmark-Tuberkulose, Lähmungen, Impotenz, behinderte Kinder, Epilepsie - all diese Krankheiten, so wurde in dem Buch behauptet, entstehen durch Selbstbefriedigung. Und Lust, sexuelles Verlangen galt als widerwärtig. In der Veröffentlichung von Tissot heißt das Eingangs-Zitat:

Wenn schnöde Wollust Dich erfüllt,
So werde durch ein Schreckensbild
Verdorrter Totenknochen
Der Kitzel unterbrochen !

Entsprechend hysterisch war die Reaktion vieler Eltern: Kinder mußten des Nachts Aluminiumhandschuhe und Keuschheitsgürtel tragen. Und es gab auch für Erwachsene zum Schutz gegen nächtliche Versuchungen sogenannte "Spermatorrhöe-Verbände" und sogar kleine Draht-Käfige, die vor dem Schlaf um den Penis gelegt wurden, um eine Erektion zu verhindern. Noch Anfang dieses Jahrhunderts wurden in den USA mehrere Dutzend Patente angemeldet für raffinierte Keuschheitsgürtel und andere aus Drähten und Gürteln bestehende "Anti-Masturbations-Vorrichtungen". Nicht überall und zu allen Zeiten war die Selbstbefriedigung so verpönt und geächtet. Bei mehreren nordamerikanischen Indianerstämmen, zum Beispiel den Hopis oder Navajos, war es üblich, dass Eltern bisweilen die Genitalien ihres Kindes streichelten, um sie zu trösten oder zu beruhigen. Afrikanische Zulu-Krieger im 19.Jahrhundert wurden von ihrem Stamm für bestimmte herausragende Leistungen durch einen Tag "zeremonieller Masturbation" belohnt, bei denen ihnen unverheiratete Frauen zur Seite standen.


Ergebnisse des Kinsey-Report

Märchen über Krankheiten wie Warzen, Akne, Rückenmarkschwund und anderes mehr durch zu häufiges Onanieren sind heute nur noch selten zu hören und werden erfreulicherweise noch seltener ernstgenommen. Selbstbefriedigung ist ein völlig normaler und verbreiteter Vorgang. In vielen Umfragen hat sich gezeigt, dass 90% aller Männer zugaben, schon onaniert zu haben. In der Pubertät und späteren Jugend ist die Selbstbefriedigung noch stärker verbreitet. Der Kinsey-Report "Das sexuelle Verrhalten des Mannes" berichtete 1948, dass 88 Prozent aller männlichen verheirateten Amerikaner im Alter zwischen 16 und 20 Jahren regelmäßig onanieren. Und für über die Hälfte der Unverheirateten galt dies sogar noch im Alter von 50 Jahren. Bei Frauen ermittelte Kinsey eine niedrigere Quote, aber immerhin fast zwei Drittel der Frauen gaben an, zumindest ab und zu durch Selbstbefriedigung zum Orgasmus zu kommen.

Ein interessantes Teilergebnis dieser Befragung war, dass unter allen Berufsgruppen Onanie am allermeisten bei Akademikern verbreitet ist, und dass bei Unverheirateten zwischen 16 und 20 Jahren College-Studenten etwa doppelt so oft onanieren wie gleichaltrige Erwerbstätige mit Volksschulabschluß.


Die Aufklärung

Spätestens seit den 60er Jahren dieses Jahrhunderts wurde dann durch Aufklärungsbücher und Filme (in Deutschland z.B. Oswald Kolle: "Dein Mann, das unbekannte Wesen"), und ebenso durch Forschungsberichte und Veröffentlichungen (Alex Comfort: The Joy of Sex, Shere Hite: Der Hite-Report) einer größeren Öffentlichkeit deutlich gemacht, dass Onanie weder später krank macht, noch dass dies Ausdruck von psychischer Krankheit oder Perversion ist.


Seemannsbräute und Dildos

Die Sex-Industrie bietet heute eine Vielzahl zum Teil raffinierter Apparate und Hilfsmittel zur Selbstbefriedigung an, wobei der Vibrator (ein batteriebetriebener, vibrierender Stab in Penisform zur sexuellen Reizung von Vagina und Klitoris) wohl das bekannteste und am meisten verbreitete Instrument ist. Nach einem Bericht des US-Magazins "Nerve" werden Vibratoren in den USA inzwischen sogar schon auf Hausfrauen-"Tuppa-Parties" vorgestellt und verkauft, neben Bratpfannen und allerlei Haushaltsgeräten. Für Männer bieten Sexshops heute aufblasbare Kunststoffpuppen an, früher "Seemannsbraut" genannt, mit einer Öffnung in Form und Größe einer weiblichen Scheide, mit Brüsten und teilweise auch einer Öffnung im Mund der Puppe. Solche "sex-dolls" kann man auch online bestellen.


Hilfsmittel zur Selbstbefriedigung sind jedoch weitaus älter als Beate-Uhse-Läden. Im antiken Griechenland gab es für lesbische Frauen einen sogenannten "Olisbos", ein künstlicher Leder-Penis, mit dem frau die lesbische Partnerin befriedigen konnte. "Dildos" oder "Godemichés", künstliche Penisse aus allen möglichen Materialien, sind aus allen Jahrhunderten und allen Teilen der Welt erhalten geblieben und heute in Museen ausgestellt (oder auch im Archiv versteckt). Aus dem Vorderen Orient kennen wir "Dildos" aus Stein, aus dem alten China Selbstbefriediger aus Elfenbein und afrikanische Stämme produzierten künstliche Penisse aus Holz. Im 18.Jahrhundert gab es in Frankreich Ledersäcke in Form von Hoden und Penis, die mit heißer Milch gefüllt wurden. Von Katharina von Medici wird berichtet, dass sie im 16.Jahrhundert in Italien in den Koffern ihrer Hofdamen eine Vielzahl sogenannter "passatempos" vorfand: Penisse aus Glas, die mit warmem Wasser gefüllt wurden.


Aus dem Viktorianischen Zeitalter stammen Greuelmärchen, dass durch Onanie schlimme Krankheiten hervorgerufen werden - Untersuchungen wie der Kinsey-Report haben jedoch gezeigt: Onanieren ist etwas völlig Normales und weiter verbreitet als man denkt - Hilfsmittel und Apparate zur Masturbation waren schon im Mittelalter verbreitet!

Onanieren — was spricht dagegen?

Gibt es irgendetwas, das dagegen spricht, zu onanieren? Wenn man nicht streng religiös ist und die Lehre der Kirche um jeden Preis beherzigen will: Nein! Nach der Untersuchung von Kinsey zum Onanieren als Teil des Sexuallebens haben 90-95% aller Männer und 85-90% aller Frauen in ihrem Leben schon onaniert, die einen mehr, die anderen weniger. Viele weitere interessante Fakten und Infos gibt es auf unserer Seite zur Onanie.


Selbstbefriedigung macht Spass und tut gut!

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